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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Unternehmerisches Handeln und Nachhaltigkeit

Unternehmen werden im Hinblick auf Umweltverschmutzung und Klimawandel häufig als „Problemverursacher“ wahrgenommen. In der Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland“ sehen die Menschen bei der Industrie und den Energieversorgern sehr große Potentiale für Umweltschutzmaßnahmen durch umweltfreundlichere Produktion. (siehe Bereich „Individuum“). Auch verlangt ein Teil der Konsumenten zunehmend nach ökologischem Bewusstsein, denn durch die zunehmende Globalisierung der Märkte und Produktionsprozesse sind sie verunsichert im Hinblick auf Qualität von Produkten und deren Herstellungsbedingungen (Kinderarbeit), aber auch der Bewertung, welches Produkt tatsächlich die bessere Umweltbilanz aufweist. Auch die Wirtschaft hat Nachhaltigkeit als Thema erkannt. „Grüne Unternehmen“ sind in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden und auch immer mehr konventionelle Unternehmen verschreiben sich den Leitlinien der Nachhaltigkeit, stellen Produktionszweige auf Umwelttechnologien um und machen ihr Geschäft grüner. Gleichzeitig werden viele Einsparungen durch Mehrverbrauch zunichte gemacht und nicht wenige Unternehmen sehen sich dem Vorwurf des „Greenwashing“ ausgesetzt. Was ist genau unter einem „grünen Unternehmen“ zu verstehen und wie weitreichend sind die Nachhaltigkeitsbemühungen der Unternehmen in Deutschland?

Was ist ein „grünes Unternehmen“?
Als „grünes Unternehmen“ definiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) solche, die in „grünen Branchen grüne Produkte herstellen“ (Die Zeit). Ihr Unternehmerisches Verhalten – also ihre Ziele, Geschäftspraktiken und Produkte – orientieren sich an den drei Aspekten der Nachhaltigkeit - sozial, ökologisch und ökonomisch. „Alle grünen Unternehmer bezeichnen eine soziale Unternehmensführung und den Erhalt der Umwelt als elementar“ (Die Zeit). Beispiele für solche grünen Unternehmen in Deutschland sind „Tegut“ oder „Alnatura“, der Ökostrom-Marktführer „Lichtblick“ oder die Bekleidungsmanufaktur Manomama, die jüngst mit dem Deutschen Nachhaltigpreis in der Kategorie „Social Entrepreneur“ ausgezeichnet wurde. Alle Bestandteile der zum Großteil kompostierbaren Kleidung werden im Umkreis von 250 Km hergestellt oder verarbeitet. Die Angestellten sind zwischen 40 und 55 Jahre alt und erhalten einen Lohn, der doppelt so hoch ist wie in der Branche üblich.

Schein oder Sein?
Auch immer mehr konventionelle Unternehmen versuchen, sich in der Öffentlichkeit in einem anderen, umweltbewussten Licht zu präsentieren. Ein grünes Image ist also „in“. Im Vorfeld der Klimakonferenz in Kopenhagen beispielsweise präsentierten sich besonders viele Konzerne als „öko“. Nicht selten allerdings handelt es sich dabei vor allem um PR-Aktionen, bei denen unter der Überschrift „Nachhaltigkeit“ für ein Produkt bzw. ein Unternehmens geworben wird, ohne aber relevante CO²-Einsparungen vorweisen zu können. Dieses sogenannte ‚Greenwashing’ „funktioniert dabei stets nach denselben Regeln: In der Summe oft irrelevantes grünes Engagement wird öffentlichkeitswirksam überbetont, um gleichzeitig von schädlichem Verhalten abzulenken“ (Der Spiegel). Nicht selten sind gerade die besonders starken „Umweltsünder“, die so aus der Schusslinie geraten wollen. Beispiele sind die Brauerei Krombacher, die angab, im Jahr 2008 rund 14 Millionen Quadratmeter Regenwald gerettet zu haben. Klingt zwar viel, entspricht aber nur 0,01 Prozent der in der gleichen Zeit abgeholzten Fläche. „Aber es geht noch oberflächlicher: So hatte die Fastfood-Kette McDonald's im November angekündigt, ihre Logofarbe von rot auf grün zu ändern - "aus Respekt vor der Umwelt". (Der Spiegel). Im Gegensatz zu einem verantwortungsvollen Handeln handelt es sich also um gezielte Verbrauchertäuschung mit dem Ziel, das eigene Image aufzubessern. Auch weiteren Reglementierungen aus der Politik soll so vorgebeugt werden.

„Greening“ in konventionellen Unternehmen
Jenseits dieses Missbrauchs von „Nachhaltigkeit“ als PR-Maßnahme, haben viele konventionelle Unternehmen in den vergangenen Jahren einen wichtigen Beitrag zu Entwicklung umweltfreundlicher Technologien geleistet. So macht beispielsweise Siemens 40 Prozent seines Umsatzes mit grünen Technologien und hat seine Konzernstrategie u.a. durch produktbezogene Dienstleistungen zur Einsparung von Energie erweitert. Auch der Nike-Konzern hat – ausgelöst durch die massive Kritik der Verbraucher an den Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern – seine Produktion umgestellt, setzt auf sinkenden Materialverbrauch und auf Transparenz bei Materialien und deren Umweltwirkungen.

Energieeffizienz und die Einsparung von Energie
Die Bestrebungen vieler Unternehmen fokussierten in den vergangenen Jahren auf eine energieeffizientere Produktion, also weniger Energieverbrauch pro Produktionseinheit, um so die Produktionskosten zu senken. Häufig wurden die Erfolge aber durch direkte oder indirekte Reboundeffekte wieder zunichte gemacht, indem also entweder die Produktion gesteigert wird oder der Ressourcenverbrauch an anderer Stelle. „Nutzt zum Beispiel eine Fabrik Energie effizienter, sinken dadurch die Herstellungskosten, wodurch die Produktion gesteigert und der Marktanteil im jeweiligen Segment erhöht werden kann“ (boell.de). Durch die Produktionssteigerung des günstigeren Produktes wird der Energieverbrauch insgesamt gesteigert. Ein Beispiel für indirektes Rebound findet sich in bei der Beleuchtung. "Die Energieeffizienz von Beleuchtung seit dem Jahr 1800 um das 1000-Fache erhöht, die Einsparungen wurden jedoch fast vollständig vom gestiegenen Lichtverbrauch aufgezehrt– und es sieht nicht so aus, als hätte die Nachfrage ihren Höhepunkt schon erreicht." (boell.de).

Einsparpotentiale beim Ressourcenverbrauch
Im Hinblick  auf den Gesamtressourcenverbrauch, also den Verbrauch aller fünf Ressourcentypen – biotische Rohstoffe, abiotische Rohstoffe, Luft, Bodenbewegungen und Wasser, gibt es in den meisten Unternehmen noch erhebliche Einsparpotentiale (vgl. Schneidewind/ Palzkill-Vorbeck 2011). Da Ressourceneinsparungen in der Regel auch Kosteneinsparungen bedeuten, wäre zu erwarten wäre, dass sie bereits zu einer Schlüsselstrategie in Unternehmen geworden sind. Allerdings sind die Einsparpotentiale in einem Unternehmen nicht immer offensichtlich, sondern die entsprechenden Stellen im Produktionsprozess müssen gezielt identifiziert werden und es gibt keine „Technologie, Branche oder Ressource, an denen pauschal angesetzt werden kann“ (Schneidewind/ Palzkill-Vorbeck 2011).

Fallstudien: Nachhaltigkeit in Unternehmen
In einer Fallstudie in sechs Unternehmen aus den Bereichen „Mobilität“, „Bauen und Wohnen“ sowie „Information- und Kommunikation“ haben sich Siebenhüner et. al die Lernprozesse in Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit angesehen. Sie kommen einerseits zu dem Ergebnis, dass neben der eher rhetorischen und symbolischen Arbeit, Anstrengungen der Unternehmen auf „technische Maßnahmen beschränkt (bleiben), die in ihrer Reichweite in Bezug auf den Klimaschutz zumeist sehr begrenzt bleiben“. Außerdem stellen sie eine Ambivalenz im Unternehmensverhalten, vor allem bei den Automobilherstellern fest, „die gleichzeitig auf rhetorischer Ebene Nachhaltigkeit (..) kommunizieren und Fahrzeugsegmente (..) schaffen, die mit dem Leitbild nachhaltiger Produktion und nachhaltigen Konsums nicht vereinbar sind (Beschorner et al. 2005: 183). (Siebenhüner et. al 2011, S.

Suffizienzstrategien in Unternehmen
Einsparungen von Energie und Ressourcen insgesamt bei der Produktion pro Stück  führen also nicht notwendigerweise zu einer Reduktion der Gesamtumweltbelastung, weil durch Reboundeffekte der Ressourcenaufwand häufig sogar noch steigt. Damit stellt sich die Frage, wie der Erhalt der Wohlfahrt oder die Wohlfahrtssteigerung von dem Ressourcenverbrauch und damit der Umweltbelastung entkoppelt werden kann. Einige Unternehmen greifen in den letzten Jahren auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen auf erste Suffizienzstrategien mit dem Ziel einer absoluten Entkopplung zurück. Das hängt u.a. damit zusammen, dass viele Märkte Sättigungstendenzen aufweisen, z.B. die Automobilindustrie und die Pharmaindustrie d.h. selbst bei gesteigerten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen lassen sich nur noch minimale Innovationen und damit geringe Wachstumseffekte aufzeigen. Während in der Automobilindustrie bisher vor allem auf Effizienzsteigerungen im Motorenbereich durch höhere Motorisierung und umfassendere Ausstattungsmerkmale gesetzt wurde, entwickeln die Automobilhersteller Car-Sharing-Modelle in Verbindung mit Elektroautos.  Als weiteres Beispiel lässt sich das Einspar-Contracting nennen, bei dem der Dienstleister beim Kunden Maßnahmen durchführt, um dessen Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren, oder erste Ansätze von Telekommunikationsanbietern, vergünstigte Tarife anzubieten, wenn das alte Handy behalten wird (vgl. Schneidewind/ Palzkill-Vorbeck 2011).

Zum Weiterlesen:
Scherhorn, Gerhard 2008: Über Effizienz hinaus. In: Hartard/Schaffer/Giegrich (Hrsg.): Ressourceneffizienz im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatte, Baden-Baden.

Schneidewind/ Palzkill-Vorbeck 2011: Suffizienz als Business Case. Nachhaltiges Ressourcenmanagement als Gegenstand einer transdiziplinären Betriebswirtschaftslehre, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (GmbH) 2011. (.pdf.)

Siebenhüner et. al  2006: Organisationales Lernen und Nachhaltigkeit. Prozesse, Auswirkungen und Einflussfaktoren in sechs Unternehmensfallstudien

Jackisch, Samuel 2009: Greenwashing. Das Märchen vom grünen Riesen. In: Spiegel Online, 2009

Kunze, Anne 2011: Die Besseren. Was wahre grüne Unternehmen von jenen unterscheidet, die sich nur als solche ausgeben. In: Die Zeit, 29. Dezember 2011, S.32

Heinrich-Böll-Stiftung, Der Reboundeffekt, http://www.boell.de/oekologie/gesellschaft/oekologie-gesellschaft-sorreell-rebound-effekt-12013.html
von Steven Sorrell

Zeit-Online: Wir sammeln den Müll. Top-Managerin Hannah Jones über die harsche Kritik an Nike- und die Lehren, die der US-Sportkonzern daraus gezogen hat.
In: Zeit-Online, 26.10.2011

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