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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Nachhaltiger Personenverkehr

Die Deutschen werden immer mobiler. Durch die zunehmende Trennung der Lebensbereiche, werden immer mehr Kilometer zurückgelegt, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Auch das Freizeitverhalten hat sich verändert, die Urlaubsreisen und Geschäftsreisen nehmen kontinuierlich zu. In den letzten Jahren wuchs dabei vor allem der Personenluftverkehr, und abgeschwächt der PKW-Verkehr. Die Verkehrsleistung beim Schienenfernverkehr und beim öffentlichen Nahverkehr mit Bahnen und Bussen blieb im Zeitraum 1994 bis 2005 in etwa unverändert (Quelle: www.bmu.de).

Das Recht auf Mobilität – und ihr Preis
Die Bundesregierung betont das Recht auf individuelle Mobilität als Grundlage sozialer Teilhabe und die Bedeutung der Personentransportmöglichkeiten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und das Funktionieren in einer modernen arbeitsteiligen Welt. Der Preis unserer Mobilität allerdings ist hoch: Treibhausgasemissionen, Lärmbelästigungen für die Menschen, Flächenverbrauch und Versiedlung der Flächen, Abnahme der biologischen Vielfalt. „Flächeninanspruchnahme und Zerschneidungseffekte durch den Straßenbau sind derzeit die Hauptursachen des fortwährenden Verlustes an biologischer Vielfalt“ (Michaelis 2006, S. 34). Auch der Indikatorenbericht 2010 bescheinigt schlechte Trends beim Flächenverbrauch und beim Schwund heimischer Arten, u.a. verursacht durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung, die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft sowie die Versiegelung von Flächen. Eine nachhaltige Verkehrspolitik stehe deshalb – so die Bundesregierung - vor der zentralen Aufgabe „die gesellschaftlich notwendige Mobilität möglichst umweltverträglich zu gestalten. Eine besondere Herausforderung liegt dabei in der Bewältigung stetig wachsender Verkehrsmengen.“ (www.bmu.de)

Dominanz des PKW- und Luftverkehrs

Der Personenverkehr wird zwischen 2004 und 2025 um weitere 19% zunehmen, wobei vor allem der Luftverkehr und abgeschwächt der PKW-Verkehr steigen wird. Der Anteil des Straßenverkehrs an der gesamten Personenverkehrsleistung liegt seit Jahren fast unverändert bei 80%, während ÖPNV- und Bahnanteil seit 1995 nahezu unverändert zwischen insgesamt 13% und 14% schwanken. Zwischen 1995 und 2007 wuchs die Leistung des Flugverkehrs um 81% (1999 bis 2008 um 22,9 % laut Indikatorenbericht) und für die kommenden Jahre sind weitere, gigantische Wachstumsraten prognostiziert.

Entkopplung von Mobilität und Umweltbelastungen
Auf dem zu einer umweltverträglicheren Mobilität setzt die Bundesregierung auf eine Entkopplung von der steigenden Mobilität und der Entwicklung verkehrsbedingter Umweltbelastungen. Einige Fortschritte wurden erzielt. Insgesamt nahm der Energieverbrauch je Personenkilometer um 10,5% ab, vor allem infolge der Entwicklungen beim motorisierten Individualverkehr, wo der Kraftstoffverbrauch zwischen 1999 und 2007 um 10,6% je Kilometer sank. Wenn auch auf Bremsen Deutschlands zu niedrigem Niveau, wurde der CO²-Ausstoß von Autos durch das EU-Recht begrenzt, wonach der Ausstoß von Neuwagen bis 2015 nur noch durchschnittlich bei 130g/km liegen darf. In Deutschland lagen die Durchschnittswerte laut Angaben des Bundesministeriums für Umwelt aber auch 2010 noch bei 177g/km.

Elektroautos: Anschluss verpasst?
Umweltschutzverbände fordern mehr: ein Tempolimit von 120 g, einen CO²-Grenzwert von 80g (entspricht 3 Litern) sowie Steueranreize für sparsame PKW und Firmenwagen. Die Bundesregierung aber bremst EU-Richtlinien zur Senkung der CO²-Obergrenzen regelmäßig aus, ist gegen Tempolimits und begünstigt weiterhin Dienstwagen. Auch die bereits 2009 ankündigte Revolution im Hinblick auf die Mobilität in Städten durch Elektromobilität ist bisher ausgeblieben. Eine Million Elektroautos würden nur 0,2 % des deutschen Stromverbrauches verbrauchen. Aber der Ankündigung, Weltmarktführer zu werden, ist bisher noch wenig gefolgt: kein deutsches Modell ist auf dem Markt, während man in China und Japan weiter ist. In Japan soll das erste Elektroauto 2012 in Serie gehen.

An das Auto angepasste Infrastruktur
Der Lebensstil von Menschen wird massiv von den Strukturen geprägt, in denen sie leben. Heute sind Siedlungen von „unfassbaren Mengen an Energie für Mobilität“ abhängig, weil „immer größere Wege zurückgelegt werden, um die gleichen Bedürfnisse zu befriedigen“, zum Beispiel durch Shoppingmals oder Möbelläden im suburbanen Bereich (Stadtrand) statt in einer autofreien Fußgängerzone. Um dem wachsenden Verkehr entgegenzuwirken, ist deshalb vor allem eine andere Siedlungspolitik notwendig, die auf eine verkehrssparende Raumentwicklung setzt Infrastruktur, aber auch die Siedlungsstrukturen müssten sich stärker an den Menschen anpassen und nicht – wie heute – dem Auto“ (Knoflocher 2011). „Dabei ist die Bundesverkehrswegeplanung den strategischen Zielen der Bundesraumordung unterzuordnen“. (Michaelis 2006: S. 35).

Eine verstärkte Integration der Ressorts
Um eine Entkopplung von Wirtschafts- und Verkehrswachstum zu erreichen müssten also neben dem Umweltressort auch andere Ressorts mitziehen und verkehrserzeugende Anreize vermeiden. Hier wird die Bedeutung einer verbesserten institutionellen Verankerung und einer stärkeren horizontalen und vertikalen Integration der Aktivitäten aus den verschiedenen Ministerien und Branchen deutlich, die in dem Gutachten zur deutschen NachhaltigkeitsstrategieSustainability made in Germany – we know you can do it“ von einer internationalen Expertengruppe gefordert wurde.

 

Zum Weiterinformieren:
Artikel: CO²-Emissionen von Autos

Thema VerkehrBundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Elektroauto: Verschlafene Revolution, ZDF-Mediathek, Frontal 21 vom

Mobilität – Verkehrspolitik. Aus: Politik und Zeitgeschichten (B45-46/2000)
 

Peter Michaelis: Motorisierter Individualverkehr. Ein Spurwechsel ist möglich. In: Zukunft wachküssen. Leitlinien für ein nachhaltiges Regierungsprogramm, politische ökologie, 97-98, 2006.

Emmissionshandel: Die Luftnummer. In: Geo Magazin, 12/2010, von Jürgen Schäfer und Malte Henk

Hermann Knoflocher: Geistige statt physische Mobilität ist für die Zukunft wichtig. Warum Radfahrer und Fußgänger an Bedeutung zunehmen und das Auto eher zum Hilfsmittel wird. In: Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission, Nr. 2 UNESCO heute, Thema: Nachhaltige Entwicklung, S. 63.

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