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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Biodiversität: Schutz der biologischen Vielfalt

Seit Jahrzehnten nimmt die weltweite Artenvielfalt ab, vor allem bedingt durch menschliches Handeln. Die schnell voranschreitende Abholzung der tropischen Regenwälder und des weltweiten Waldbestandes insgesamt nimmt vielen Tierarten ihren natürlichen Lebensraum. Etwa zwei Drittel aller beschriebenen Pflanzen- und Tierarten lebt in Wäldern. Deshalb ist der Erhalt der Wälder von zentraler Bedeutung für die Artenvielfalt. „Tropische Regenwälder sind dabei von besonderer Bedeutung. Sie bedecken zwar nur 7% der Erdoberfläche, beherbergen aber 50% aller Tier- und Pflanzenarten weltweit. “ (WWF 2011).Weiterhin hat der Klimawandel einen entscheidenden Anteil an dem Verlust der Artenvielfalt.

Living Planet Index (LPI)
Der Living Planet Index (LPI) gilt als eine der bewährtesten Indikatoren, um den globalen Zustand der Biodiversität zu erfassen. Er zeigt uns, wie sich die Populationen von Tierarten verschiedener Ökosysteme und Regionen verändern. Der Living Planet Index zeigt, dass zwischen 1970 und 2010 die beobachteten Tierpopulationen um 52 Prozent zurückgegangen sind. Die Zahl der Säugetierarten, Vögel, Fische und Pflanzen hat sich also halbiert. In den Tropen war der Rückgang insgesamt drastischer, in Lateinamerika sind die Verluste mit 83 Prozent am höchsten.

Der Rückgang der Biodiversität macht die Überlastung des Planeten greifbar: Hauptursachen sind Lebensraumzerstörung, Wilderei und Überfischung. Der Klimawandel wird in den nächsten Jahren die Natur mit einem noch größeren Anpassungsdruck konfrontieren.

Biodiversitätskonvention oder Convention on Biological Diversity (CBD)
Die UN-Biodiversitätskonvention oder das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen souveränen Staaten mit dem Ziel, durch weltweite Zusammenarbeit dem Artenverlust zu reduzieren. Sie wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro beschlossen und von 193 Vertragsparteien unterzeichnet und auch ratifiziert (Stand: August 2012).

Die Konvention über Biologische Vielfalt verfolgt 3 Ziele, Diese Ziele bezogen sich auf alle drei Ebenen der Biodiversität: die Vielfalt auf der Ebene der Ökosysteme, auf der Ebene der Artenvielfalt und der genetischen Ebene (Vielfalt innerhalb der Arten) – und damit auf das gesamte nicht-menschliche Leben:

1. Erhalt der Biologischen Vielfalt
2. nachhaltige Nutzung der Biologischen Vielfalt
3. gerechte Verteilung der Vorteile aus der Nutzung der Biologischen Vielfalt, insbesondere der genetischen Ressourcen (ABS).

Gemessen an der Anzahl der Vertragsparteien gehört das CBD mit 191 Parteien zu den stärksten internationalen Abkommen. Bei der Umsetzung gibt es jedoch erheblich Schwierigkeiten, weil die Parteien dazu zwar völkerrechtlich gebunden, aber nicht gezwungen sind. Nationale Strategien fehlen dementsprechend noch immer in vielen Ländern.

Alte und neue Lösungsansätze 
Um die ersten beiden Ziele der Konvention, den Erhalt der Artenvielfalt und die nachhaltige Nutzung, zu erreichen, wird auf altbewährte Instrumente gesetzt, wie die Einrichtung von Schutzgebieten sowie das Nachhaltigkeitsprinzip. Das dritte Ziel eines gerechten Vorteilsausgleich (Access and benefit sharing, ABS) ist ein relativ neues Instrument, das vor allem ärmeren Ländern einen finanziellen Anreiz zum Artenschutz geben soll. Das nationale Souveränitätsrecht der Staaten über ihre genetischen Ressourcen wird bekräftigt. Die Ressourcenstaaten werden aber aufgefordert, einen möglichst leichten Zugang (Access) zu genetischen Ressourcen durch andere Vertragsstaaten zu gewähren. Dabei ist eine Beteiligung am Nutzen (Benefit), der sich durch die Verwendung der Ressource ergibt, die unmittelbare Folge des Zugangs.

Das Cartagena-Protokoll 2003
Fragen der biologischen Sicherheit, die durch die moderne Biotechnologie und die Veränderungen von Organismen entstehen, werden in dem Cartagena-Protokoll, einem Nebenabkommen der Konvention, geregelt. Ziel des Protokolls ist es, die biologische Vielfalt vor möglichen Risiken durch lebende modifizierte Organismen (Genetically Modified Organisms -GMO) zu schützen, wie sie durch die Gentechnik hervorgebracht werden.

Das Nagoya-Protokoll 2010
Das Protokoll schließt an das Cartagena-Protokoll an und beinhaltet einen neuen Strategischen Plan für den Zeitraum 2011–2020. Die Vertragsstaaten sollen umgehend wirksame Maßnahmen ergreifen, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Bis 2020 sollen:

  • der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert,
  • die Überfischung der Weltmeere gestoppt sowie
  • 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meere unter Schutz gestellt werden

Das Protokoll schreibt auch den ABS-Mechanismus (Access and Benefit-Sharing), siehe oben, fest.  Die konkrete Ausgestaltung, vor allem im Hinblick auf den Geltungsbereich, war bei der Verabschiedung des Protokolls in vielen Punkten offen. Während die Industrieländer eine Reihe von Ausnahmen beim Geltungsbereich forderten (räumlich z.B. in der Antarktis, aber auch für Nutzungsbereiche wie "Krankheitserreger"), fürchteten die Entwicklungsländer eine Verwässerung des Mechanismus. Um die Umsetzung des Protokolls zu unterstützen, wurde ein zwischen-staatliches Komitee (Intergovernmental Committee) eingerichtet, das bisher dreimal (2011, 2012 und 2014) tagte.

Die Gruppe Megadiverser Länder (Like-Minded Megadiverse Countries)
Bolivien, Brasilien, China, Costa Rica, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Kongo, Madagaskar, Malaysia, Mexiko, Peru, Philippinen, Südafrika und Venezuela: Diese 17 Entwicklungs - und Schwellländer stehen für über 70% der weltweiten Biodiversität. Mit dem Zusammenschluss zur Gruppe Megadiverser Länder konzentrieren sie ihre Aktivitäten auf ein völkerrechtlich verbindliches Instrument zum beschriebenen Access- and Benefit-Sharing .

UN-Dekade der Biodiversität 2011-2020
Das 2010-Ziel der CBD, den Verlust zumindest deutlich zu verlangsamen, wurde verfehlt. Deshalb wurde 2010 als Internationales Jahr der Biodiversität (IYB International Year of Biodiversity) ausgerufen, um so eine breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam zu machen und für den dringenden Handlungsbedarf zu sensibilisieren. Die anschließende UN-Dekade der Biodiversität will dazu beitragen, die globalen Biodiversitätsziele bis 2020 zu realisieren, die sich die Staatengemeinschaft über die Biodiversitätskonvention gesetzt hat.

Der internationale Weltbiodiversitätsrat
Der internationale Weltbiodiversitätsrat (IPBES - Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) mit Sitz in Bonn hat am 21. Januar 2013 offiziell seine Arbeit aufgenommen. Der IPBES ist als zwischenstaatliches Gremium für das Thema biologische Vielfalt konzipiert und vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC. Als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik ist seine vorrangige Aufgabe, politische Entscheidungsträger Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung zu stellen, auf dessen Grundlage Entscheidungen zum Schutz der Biodiversität getroffen werden können.

Waldverlust= Artenverlust geht weiter
Allen Anstrengungen zum Trotz konnte der weltweite Ausstoß an Klimagasen als Ursache für den Klimawandel, nicht gesenkt werden. "Aktuell sind knapp drei Prozent aller Arten weltweit durch die globale Erwärmung bedroht, jede sechste wird es sein, wenn die Menschheit nichts gegen den Treibhauseffekt unternimmt" (Die Zeit, 2015).

Berichte der FAO und anderer Wissenschaftler hatten auf hoffnungsvolle Entwicklungen im vergangenen Jahrzehnt 2000 bis 2010 verwiesen und über einen Rückgang der jährlichen Abholzung berichtet. Aktuelle Untersuchungen der University of Maryland zeigen jedoch, dass es zwar in einzelnen Ländern Rückgänge bei der Abholzung gab, insgesamt aber „von 1990 bis 2000 4,0 Millionen Hektar pro Jahr (verschwanden). (..) Im Zeitraum 2000 bis 2010 lag der Rückgang bei 6,5 Millionen Hektar - eine Zunahme von 62 Prozent“ (Der Spiegel 2015). 

Zum Nachlesen:

WWF Deutschland 2014: deutsche Kurzfassung Living Report 2014, www.wwf.de

ABS Deutschland: Informationsplattform - Zugang und Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen, , Webseite des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Übereinkommen über die biologische Vielfalt. Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich – Access and Benefit Sharing (ABS), Informationsbroschüre

WWF 2011: Die Wälder der Welt - ein Zustandsbericht. Globale Waldzerstörung und ihre Auswirkungen auf Klima, Mensch und Natur, WWF Schweiz/WWF Deutschland

Aichi Biodiversity Targets: https://www.cbd.int/sp/targets/

Webseite des Internationalen Weltbiodiversitätsrat (IPBES), http://www.ipbes.net

Webseite zur Biodiversitätskonvention (CBD): https://www.cbd.int

Webseite der United Nations Decade on Biodiversity: https://www.cbd.int/2011-2020/

Entwaldungs-Bilanz: Der Amazonas-Regenwald stirbt langsamer, Der Spiegel, 10.08.2010

Verlorener Regenwald: Satellitenfotos zeigen immer schnellere Abholzung, Der Spiegel, 26.02.2015

Frein, Michael/Mayer, Hartmut 2010: Das ABC des ABS-Regimes. Biopiraterie und die Verhandlungen auf dem Weg nach Nagoya, Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED)

Die globale Erwärmung bedroht jede sechste Art, Die Zeit vom 30.04.2015
 

Letzte Änderung: 29.06.2015

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