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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Die Ernährung nachhaltig sichern

Im weltweiten Agrarsektor werden mehr Nahrungsmittel produziert als jemals zuvor. Diese Steigerung war vor allem durch moderne Produktionsformen möglich. Der Welthungerbericht 2015 von drei Ernährungsorganisationen hat gezeigt, dass die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt in den vergangenen Jahren durch gestiegene landwirtschaftliche Produktivität reduziert werden konnte. Noch immer hat aber jeder Neunte nicht genug zu essen. Und die gängigen Produktionsformen tragen erheblich zum Klimawandel bei. Wie kann es künftig gelingen, die wachsende Weltbevölkerung dauerhaft und ökologisch verträglich zu ernähren?

Klimaschädliche Landwirtschaft
Der Agrarsektor erzeugt global etwa 14 Prozent aller Treibhausgase (Co2, Lachgas, Methan). Sie entstehen in allen Phasen der Wertschöpfungskette: Produktion, Verarbeitung, Verpackung, Lagerung, Transport, Zubereitung und Entsorgung. Den größten Anteil daran trägt mit 39 Prozent die Tierhaltung. Ein Hauptgrund ist die Freisetzung von Methan, einem 25 mal wirksameren Klimagas als CO2, aus den Verdauungstrakten v.a. von Rindern. Außerdem werden für die Viehzucht enorme Waldflächen gerodet. „Das ist gleich dreifach schlecht, da die Bäume fehlen, die CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, da das bereits aufgenommene CO2 beim Verbrennen freigesetzt wird, und da aus bestimmten Bodentypen nun Methan entweichen kann, das aggressivste aller Treibhausgase.“ Für weitere 13 Prozent der Emissionen zeichneten Düngemaßnahmen verantwortlich, der Einsatz stieg zwischen 2001 und 2011 um 37 Prozent.

Ursachen für den Hunger
Die Voraussetzungen, alle Menschen auf der Erde satt zu bekommen sind eigentlich gut. Denn weltweit werden jährlich ausreichend Erzeugnisse geerntet, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren. Trotzdem leidet etwa jeder 9. bis 8. Mensch weltweit an Hunger. Das liegt vor allem darin begründet, dass ein großer Teil der Erzeugnisse nicht von Menschen konsumiert wird, sondern für die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel verwendet wird oder der Energiegewinnung dient (vgl. FAO 2013). „Eine ganze Menge (etwa ein Drittel) verdirbt auch aufgrund schlechter Infrastruktur, bevor es genutzt werden kann (Nachernteverluste) oder wird ohne Not auf den Müll gekippt“ (FAO 2015, S. 1)  

Gleichzeitig schädigt die intensive Landwirtschaft auch die Böden und gefährdet damit langfristig die Nahrungsmittelproduktion: „Denn heute zeigen bereits 25 Prozent der von den Menschen landwirtschaftlich genutzten Flächen Degradationserscheinungen. Sie umfassen:Versalzung, Erosion, Versiegelung und den Verlust der Biodiversität“ (FAO 2013).

Der Klimawandel und die daraus resultierende Wasserknappheit verschärfen die Konkurrenz um die Ressource „Boden“, weil er in vielen Regionen zur Wüstenbildung beiträgt. Das führt in vielen Regionen zu Landgrabbing, dem großflächigen Aufkauf oder der Verpachtung an ausländische Investoren. Immer mehr landwirtschaftliche Produktionsfläche ist in den Händen von internationalen Großkonzernen und steht der ländlichen Bevölkerung nicht mehr als Ernährungsgrundlage zur Verfügung.  

Die hohen Nahrungsmittelpreise der Großkonzerne können von vielen Armen  v.a. in Afrika und Asien, nicht gezahlt werden Als die Nahrungsmittelpreise mit der Nahrungsmittelpreiskrise 2008 noch einmal stark stiegen, kam es zu Hungerrevolten in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern.   

Den Hunger stillen: Den Binnenmarkt schützen
Alle Maßnahmen zur Verbesserung der weltweiten Ernährungssituation werden nur Früchte tragen können, wenn sie von einem Schutz des Binnenmarktes flankiert werden, von einer "Regulierung des Handels, die auf Ernährungssouveränität basiert, das heißt auf dem Recht, den eigenen Binnenmarkt zu schützen, um eine ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten" (Atlas der Globalisierung). Diese Reform des Weltagrarhandels ist notwendig, um zu verhindern, dass z.B. Billig-Importe von Milch aus der EU die lokale Produktion Westafrikas schädigen oder die lokale Verarbeitung durch den Aufkauf durch europäische oder chinesische Nahrungsmittelkonzerne und Molkerei–Großgenossenschaften verdrängt wird.

Als Hoffnungsschimmer gilt seit einigen Jahren das Welternährungskommittee der Vereinten Nationen, in dem die FAO, das UN-Welternährungsprogramm (WFP) und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung der UN (IFAD) mit dem Ziel zusammenarbeiten, dass sich die Staaten auf gemeinsame Strategien zur Bekämpfung des Hungers einigen.  Es fordert alle Regierungen auf, Landgrabbing zu verhindern und berücksichtigt zum ersten Mal die Interessen der lokalen Bevölkerung  - „also all derjenigen, die von den Beschlüssen betroffen sind, weil sie häufig von dem leben, was sie in ihrem Umfeld erwirtschaften, sammeln, jagen können“ (Grefe 2015). 

Weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Ernährungssicherung

  • neue Techniken zur Ertragssteigerung
  • an die prognostizierten Klimaveränderungen besser angepasste Sorten und Anbaumethoden 
  • verbesserte Düngetechniken 
  • Die besten Ackerböden sollen der Produktion von Grundnahrungsmitteln vorbehalten sein. Energiepflanzen für Biosprit und Futtermittel werden nur auf schlechteren Standorten angebaut

Der Beitrag jedes Einzelnen
Unsere Ernährung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert: mehr Fleisch und Fisch, mehr verarbeitete „Fast-Food“- Nahrungsmittel, . Diese Art und die Menge des Essens hat erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und den Hunger in anderen Regionen der Welt. Mit der Änderungder eigenen Ernährungsgewohnheiten hin zu ökologisch, regional und saisonal produzierten  und weitgehend unverarbeiteten Lebensmitteln und geringerem Fleischkonsum, kann jeder Einzelne einen Beitrag leisten. 


Zum Weiterlesen:

Forsa-Umfrage, Januar 2016: Meinungen zur Einführung von Kennzeichnungspflichten für Fleisch und Milchprodukte in Deutschland. Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Landwirten, Berlin (.pdf)

UNTER FALSCHER FLAGGE? Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition. Warum das Bündnis zwischen G8-Regierungen und Konzernen den Kleinbauern Afrikas kein Glück bringen kann. IWE Dossier, von Anja Humburg und Wilfried Bommert,  im Auftrag des  Institut für Welternährung – World Food Institute e.V., RED: 28.05.2015

Uken, Marlies 2015: Leergefischt. In; Zeit Online, 02. September 2015

Grefe, Christiane 2015: Vereinte Nationen. Hunger bekämpfen, ganz demokratisch. Die Vereinten Nationen sind darauf gepolt, Kompromisse zu schließen. Aber das hier ist neu: Im Kampf gegen den Hunger sitzen erstmals die Betroffenen selbst mit am Tisch: In: Die Zeit vom 10. Juni 2015

Reichert, Tobias /Leimbach, Johannes 2015: Billiges Milchpulver für die Welt. Das Auslaufen der EU-Milchquote und die Milcherzeugung und -exporte in Deutschland und der EU , Hintergrundpapier von Germanwatch e.V. (Bestellung oder Download)

F.N. Tubiello 2014: Sparen tut not. Der globale Ausstoß von Treibhausgasen durch die Landwirtschaft steigt weiter an. Agriculture, Forestry and Other Land Use Emissions by Sources and Removals by Sinks , ESS Working Paper No. 2, Mar 2014 (.pdf)

Hunger ist kein Schicksal. Obwohl genug Lebensmittel da sind, gelingt es bisher nicht, alle Menschen zu ernähren.
Eine-Welt-Presse. Nord-Süd-Zeitung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) Nr. 1 / 2013 | 30. Jahrgang, www.dgvn.de (.pdf)

WWF Deutschland 2014: Fleisch frisst Land, Berlin (.pdf)

Bommert, Wilfried 2012: Bodenrausch. Die globale Jagd nach den Äckern der Welt, Köln

Solutions for a cultivated planet. In: Nature 478, 337–342 (20 October 2011), Published online 12 October 2011, 
(Download ist kostenpflichtig)

Wachsende Weltbevölkerung ohne Hunger. Internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn zeigt Wege für die Zukunft auf, Pressemitteilung der Universität Bonn vom 13.11.2011

Bölll. Thema - Landwirtschaft und KlimawandelZeitschrift der Heinrich-Böll-Stiftung: Ausgabe 2/2010

Arme Länder, gute Ernten, großer Hunger. In: Atlas der Globalisierung 2009, S. 18-19


Letzte Änderung: 05.03.2016

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