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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Immer mehr Menschen - immer weniger CO2?

Die Zahl der Menschen auf unserem Planeten erreicht jedes Jahr einen neuen Höhepunkt.  Immer mehr Menschen müssen essen, trinken, wohnen und wollen sich kleiden. Was bedeutet das für unsere Umwelt? Kann es gelingen, den weltweiten CO2-Ausstoß trotz der steigenden Bevölkerung zu senken und damit den Klimawandel zu stoppen?

Rasantes Bevölkerungswachstum
Das Bevölkerungswachstum seit 1900 war rasant: Von 1,6 Milliarden auf etwa 7 Milliarden Menschen im Jahr 2012 stieg die Weltbevölkerung. Jede Sekunde kommen 2,7 Erdenbürger hinzu, so dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2025 auf etwa 8,08 Mrd. und bis zum Jahr 2050 auf etwa 9,6 Mrd. Menschen steigen wird. Die Weltbevölkerungsuhr zeigt jeweils den tagesaktuellen Stand. Etwa 1,3 Milliarden Menschen davon leben alleine in China, in Indien 1,1 Milliarden. Die USA ist liegt mit etwa 300 Millionen auf Platz 3 der bevölkerungsreichsten Ländern. Zwar sinken überall auf der Welt die Fertilitätsraten, selbst in den 48 sogenannten "Least Developed Countries", den 48 ärmsten Ländern der Welt. Der Rückgang ist hier aber noch langsam, so dass die Weltbevölkerung noch lange Zeit weiter wachsen wird.

Chance auf wirtschaftliche Entwicklung
Um der Armutsfalle zu entkommen und damit das Bevölkerungswachstum zu reduzieren, brauchen diese Länder die Chance, sich wirtschaftlich zu entwickeln. Auf der Rio-Konferenz 1992 wurde dieses "Recht auf Entwicklung" mit den sogenannten "Rio Principles" verankert und global akzeptiert. Eine wirtschaftliche Entwicklung ist aber nur unter der Voraussetzung einer verbesserten Energieversorgung möglich. "Um der Armutsfalle zu entkommen, müssten diese Länder ihren durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Energieverbrauch auf mindestens 4.000 Kilowattstunden anheben" (Klingholz/Töpfer 2012: 16) (zum Vergleich Deutschland 48.000 KWH). Da rund eine Milliarde Menschen in den armen Ländern bisher fast gar nicht an den weltweiten CO2-Emissionen beteiligt waren, würde der Energieverbrauch damit weltweit zunächst um 14% steigen.

Für die Bevölkerungsentwicklung aber reicht wirtschaftliche Entwicklung alleine nicht aus: Als wichtiges Instrument zur Senkung der hohen Geburtenraten gilt Bildung für Mädchen, weil gebildete Frauen später und weniger Kinder bekommen und sich für deren Bildung einsetzen, aber auch die Wasserversorgung.

Trauriger Weltrekord
Im Jahr 2010 wurde mehr Energie auf der Welt verbraucht und damit auch mehr CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen als jemals zuvor. In den Industrienationen wurde alle Einsparungen durch gestiegene Energieeffizienz durch Mehrverbrauch zunichte gemacht (siehe Thema "Klima und Energie" auf Europäischer Ebene). Die Schwellen- und Entwicklungsländer haben durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung massiv "aufgeholt". Dadurch fand in den vergangenen Jahren eine Verschiebung des globalen Energieverbrauches statt. Die Industrienationen verbrauchten in den 80er Jahren bei einem Anteil von 23% an der Weltbevölkerung etwa 75% der globalen Energie, heute sind es noch 52%.  Die bevölkerungsreichen Länder China und Indien, Brasilien und Indonesien (zusammen 440 Millionen Einwohner) "steigen derzeit in die energieintensive Phase der Industrialisierung ein. Damit einher geht der Aufstieg einer globalen Mittelschicht, die sich bis dato an den Konsummustern der Industrienationen orientiert" (Klinghaus/Töpfer 2012). Das bedeutet: Der Konsum steigt, die Infrastruktur wird massiv ausgebaut, der Fahrzeugpark steigt explosiv ebenso wie der Güterverkehr. Schreitet das Wachstum auf dem gleichen Wege fort, werden auch die höchsten Varianten der Entwicklungsszenarien überschritten. Das bedeutet einen Temperaturanstieg von 8 Grad bis zum Jahr 2200, wenn der Verbrauch in den Schwellen- und Entwicklungsländern weiter zulegt und die Industrienationen nicht einsparen.

Der Run auf die Städte

Die Hälfte der Menschen lebte im Jahr 2012 in städtischen Gebieten, 1950 waren es unter 30 Prozent, für das Jahr 2030 werden mehr als 60 Prozent prognostiziert. Dabei wächst die Zahl der Megacitys mit über 10 Millionen Einwohnern kontinuierlich. Während im Jahr 1970 nur 2 Städte, New York und Tokio, so groß waren, gab es 2011 bereits 23 Metropolen. Im Jahr 2025 wird es etwa 37 Megacities geben. "Je stärker die Wirtschaft sich international vernetzt, desto wilder wuchern Städte "glokalisiert" entlang der neuen ökonomischen Entwicklungslinien" (Die Zeit, 04.04.2013). Besonders deutlich wird das beispielhaft an Dhaka, Hauptstadt von Bangladesch und die am schnellsten wachsende Stadt der Welt. Infolge der globalisierten Wirtschaft und durch eine extreme Zentralisierung der Industrie - 4000 von 5000 Textilfabriken haben sich in Dhaka angesiedelt - wächst die Anziehungskraft auf die Metropole. Aber auch der Klimawandel, der in vielen Regionen zu Dürren führt, begünstigt die Landflucht: da es keine andere Arbeit gibt, flüchtet, wer von der Landwirtschaft nicht mehr leben kann.



Städte: Lösung oder Problem?

Städte bieten besondere Chancen einer nachhaltigen Entwicklung. Richtig geplant bieten sie die Möglichkeit, nachhaltige Infrastrukturen insbesondere im Verkehrssektor aufzubauen. Durch kurze Wege zwischen den verschiedenen Stadtfunktionen, ein funktionierendes Nahverkehrssystem und Infrastrukturen für den nicht-motorisierten Verkehr, kann der Autoverkehr begrenzt werden. Wichtig ist, dass die Städte von vornherein klimafreundlich zu planen sind. Denn eine Planung nach klassischen Konzepten verhindert ein klimafreundliches Wohnen und Wirtschaften für Jahrzehnte.
Erste Ansätze für energieautarke Städte gibt es bereits. In Tokio beispielsweise errichtet Panasonich einen Stadtteil, der seine Energie autark sowie umweltfreundlich erzeugt, speichert und verwaltet. Aber die meisten Millionen und Megastädte wuchern ohne städtebaulichen Plan im Hintergrund durch den Zustrom aus den ländlichen Regionen. Illegale Behausungen prägen das Stadtbild, deren Bewohnerinnen und Bewohnern fehlt es an den elementarsten Dingen: Zugang zu sauberem Trinkwasser, Nahrung, sanitäre Anlagen, Abfallentsorgung. Die soziale und physische Infrastruktur steht in vielen Städten vor dem Kollaps: die Städte versinken im Dreck, die Luft ist zu schlecht zum Atmen und es herrscht ein permanentes Verkehrschaos.

Radikaler Wandel
Nur ein radikaler Wandel wird dem Negativtrend beim CO2-Ausstoß entgegen wirken können: Ein Umbau der globalen Energiewirtschaft hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern stiegen die CO2-Emissionen zwar mit dem Wirtschaftswachstum an, erreichen aber nicht annähernd Werte wie die Industrieländer. So werden die Länder voraussichtlich die Phase des extrem klimaschädlichen Emissionsniveaus auslassen, weil von Anbeginn auf fortschrittlichere Technologien gesetzt wird. Es ist wichtig, dass die Länder diesen Weg noch radikaler verfolgen und nicht die Fehler der Industrienationen wiederholen. Die Industrienationen müssen schnell auf energie- und CO2-arme Technologien setzen und ihre Klimareduktionsziele nicht durch Verschiebung in andere Länder erreichen. Gleichzeitig bedarf es einer verbesserten Zusammenarbeit aller Landesgruppen, damit die fortschrittlichsten Technologien in allen Regionen zum Einsatz kommen können.  

Zum Weiterlesen:
Interaktive Länderdatenbank
der Stiftung Weltbevölkerung

Das Trilemma des Wachstums: Bevölkerungswachstum, Energieverbrauch und Klimawandel – drei Probleme, keine Lösung?, von Reiner Klingholz und Klaus Töpfer 2012

Die Zeit, 04.04.2013: Willkommen im Chaos, S.33/34, von Christian Grefe

China - Weltmacht im Umbruch
, Immo Sennewald, Stand vom 01.06.2009 auf www.planet-wissen.de

Stadtverkehr in Megacities
, Daniel Bongardt, Bundeszentrale für politische Bildung 2009


Letzte Änderung: 21.03.2014
 

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