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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Regionale Wertschöpfung

Viele Produktionsketten sind heute globalisiert und stark fragmentiert: Einzelteile eines Produktes werden in den verschiedensten Ländern und Regionen hergestellt, um dann an einem weiteren Ort zu einem Endprodukt verarbeitet zu werden. Zulieferer und Abnehmer verteilen sich häufig über den gesamten Globus und die Entsorgung wird zum Teil in Schwellen- und Entwicklungsländer verschoben. Folge dieser globalisierten Wirtschaft ist eine rasante Zunahme des Güterverkehrs. Gleichzeitig wird die "Überwachung" der sozialen und ökologischen Standards komplizierter und damit die Ausrichtung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Für Kleine und Mittlere Betriebe und ländliche Regionen entstehen durch die Globalisierung der Wirtschaft neue Herausforderungen im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit. Um den Verbleib des Profites in den Regionen zu gewährleisten, werden Projekte zur regionalen Wertschöpfung durch Bund und Länder zunehmend gefördert und schließen sich in verschiedenen Branchen Unternehmen zu regionalen Wertschöpfungspartnerschaften zusammen.

Was ist eine Wertschöpfungskette?
Die Wertschöpfungskette eines Produktes oder einer Dienstleistung beschreibt die einzelnen Schritte von der Rohstofflieferung, der Erzeugung über die Verarbeitung und die Vermarktung bis zum Endkunden und der Entsorgung. Während die internationale Arbeitsteilung traditionell im Austausch von Rohstoffen aus dem Süden gegen Fertigprodukte aus dem Norden bestand, nimmt durch die Verlagerung von Produktionsstätten (v.a. in Billiglohnländer) der Handel mit Zwischenprodukten zu.  Die Produktionsschritte werden aufgespaltet (fragmentiert): Zwischenprodukt A wird in X gefertigt, das Zwischenprodukt B in Y und das Teil C in Z. Das Endprodukt wird dann an einem weiteren Ort zusammengefügt. Attraktiv wurde diese Verlagerung von Produktionsschritten für die Länder des Nordens durch geringere Lohnkosten und geringere Umwelt- und Sozialauflagen in den Ländern des Südens (siehe "Grüne Unternehmen" und "Unternehmensverantwortung").

Beispiele: Text- und Automobilindustrie

An einer Jeanshose oder einem Sommerkleid, das wir fertig in den Regeln der gängigen Bekleidungsläden finden, haben heute Menschen aus unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. So wird zum Beispiel die Baumwolle für einen Jeansstoff in Indien erzeugt, in China gewebt und auf den Philippinen gefärbt. "Das eigentliche Kleidungsstück wird derzeit meist in einer Näherei in Bangladesch, China oder Thailand genäht und mit dem Logo des jeweiligen Auftraggebers versehen. Preisschilder sowie die Label mit Pflegehinweisen, Herstellungsland und Angabe der Materialien werden jedoch überwiegend in osteuropäischen Staaten in die Kleidung genäht. Von dort gelangen sie in die Zentrale des Auftraggebers und schließlich in die Läden in ganz Deutschland" (http://www.oeko-fair.de).  Die Bedingungen, unter denen die Menschen arbeiten müssen, sind dabei sehr unterschiedlich und reichen bis zur "Sklavenhaltung" und massiven Gesundheitsgefährdung. Auch ökologische Standards sind häufig unzureichend. Ähnliches gilt für die Automobilproduktion und die Lebensmittelproduktion, die Herstellung von Elektrogeräten. Und häufig endet die Kette dann wieder in den ärmsten Ländern der Welt, so wie bei der Entsorgung von Elektromüll: Weil es so billiger ist, werden aus Deutschland " nach UNO-Schätzungen etwa 100.000 Tonnen Elektrogeräte-Schrott pro Jahr exportiert" (http://www.spiegel.de) - mit verheerenden gesundheitlichen Folgen für die Menschen, die die wertvollen Rohstoffe ausweiden.

Regionale Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungspartnerschaften

Unter einer regionalen Wertschöpfungskette ist im Gegensatz zu diesen Beispielen zu verstehen, dass der überwiegende Teil der Stufen bzw. der Tätigkeiten in der Region erbracht wird und damit auch der größte Teil der Wertschöpfung in der Region verbleibt. "Regionale Wertschöpfung lässt sich (…) folgendermaßen definieren: Leistungen einer Region - von außen bezogene Vorleistungen = regionale Wertschöpfung" (http://www.regionale-wertschoepfung.info). zu sichern.  Im Hinblick auf soziale Qualitätsstandards sind sie leichter zu "überwachen" als globalisierte Produktionsabläufe. Partnerschaften verschiedener regionaler Akteure, die sich gegenseitig Abnahme und Lieferung von Produkten zusichern, kann der Produktionskreislauf innerhalb einer Region stattfinden und so die regionale Wertschöpfung ausgebaut werden.

Förderungsansätze der EU, des Bundes und in RLP
Die Europäische Kommission, Bund und Länder fördern Ansätze regionaler Wertschöpfung, um vor allem die Potentiale der ländlichen Regionen zu nutzen, Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu erhalten und die Lebensqualität vor Ort zu erhalten. Auf der Bundesebene unterstützt das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dem "Modellvorhaben LandZukunft" ländliche Regionen bei der Steigerung der regionalen Wertschöpfung und der Sicherung von Arbeitsplätzen. Das Förderprogramm PAUL ist in den nächsten Jahren die entscheidende Grundlage zur Förderung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Rheinland-Pfalz. Damit setzt RLP die EU-Verordnung zur "Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER) um. In den ländlichen Regionen bilden "Betriebe aus der Land- und Forstwirtschaft sowie kleine und mittelständische Betriebe (Handwerk, Gastronomie, Tourismus, Industrie, etc.) (…) das regionalwirtschaftliche Rückgrat. Dazu gehören auch mittelständische (Welt)marktführer, die sich mit Ihren Produkten erfolgreich auf dem globalen Markt behaupten und auch im ländlichen Raum präsent sind" (MULEWF RLP 2012, S. 4). Die Wertschöpfung erfolgt auch hier häufig andernorts, weil die Produkte von anderen weiterverarbeitet und so relativ anonym verkauft werden.

Beispiel: Regionalmarke Eifel
Mit regionalen Wertschöpfungsketten im Lebensmittel- bzw. Gastronomiebereich werden gleichzeitig ländliche Regionen gestärkt und der verstärkten Nachfrage nach regionalen Produkten auf Seiten der Verbraucher Rechnung getragen. In der Region Eifel tragen Lebensmittel z.B. Eier, Schinken, Wurst, Eier und Edelbrände, aber genauso auch Gastronomie- und Tourismusbetriebe wie Anbieter von Ferienwohnungen, Hotels, Restaurants die Regionalmarke "Eifel-Qualität ist unsere Natur". Gastronomie- und Tourismusbetriebe, die die Kennzeichnung "Eifel Gastgeber" tragen, verpflichten sich beispielsweise, eine bestimmte Anzahl von Lebensmitteln und Getränken, die die Marke tragen, auf Ihrer Speisekarte anzubieten. Die Herkunft aller EIFEL Lebensmittel von Fleisch und Wurst, Bäckereiprodukte ist für die Verbraucher eindeutig nachvollziehbar aus dem Naturraum Eifel. Außerdem verspricht die Marke verbraucherorientierte Transparenz in der gesamten Produktions- und Dienstleistungskette.

Beispiel: Kommunale bzw. dezentrale Energieversorgung

Auch im Energiesektor bieten sich mit der Umstellung auf Erneuerbare Energie große Potentiale für regionale Wertschöpfung. Während Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren noch mehr als die Hälfte des Stroms importierte (im Jahr 2007 67 %), bietet der Ausbau Erneuerbarer Energien, die Möglichkeit, die Wertschöpfung im Energiesektor stärker nach Rheinland-Pfalz zu verlagern. "Wir setzen auf regionale Wertschöpfung durch Schaffung von Arbeitsplätzen und technischen Innovationen aus Energiesparen, Effizienzsteigerung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis zum Jahr 2030 wollen wir im Strombereich bilanziell den gesamten Bruttostromverbrauch des Landes durch Erneuerbare Energien decken" (9. Energiebericht, 2011).  Einige Kommunen und Kreise in Deutschland und Rheinland-Pfalz mit der vollständigen oder weitreichenden Eigenversorgung sind bereits Beispiel für eine erfolgreiche Wandlung des Sektors hin zu regionaler Wertschöpfung. "Viele Tausende von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien werden lokal in den Kommunen von einer Vielzahl von Akteuren betrieben. Die Wertschöpfung bleibt dabei – anders als bei fossilen Energien – vor Ort und fließt in Form von Einkommen, Unternehmensgewinnen, vermiedenen Brennstoffkosten sowie Steuern und Abgaben wieder in den volkswirtschaftlichen Kreislauf zurück. Den Kommunen bringen diese Mittel neuen Spielraum: Schulen werden saniert, Straßen ausgebessert, Vereine gefördert." Das Portal kommunal-erneuerbar.de stellt in seinem Kommunalatlas die innovative Regionen im Hinblick auf regenerative Energieversorgung vor. Mit dem Wertschöpfungsrechner können Kommunen auf Basis von bundesweiten Durchschnittswerten für typische Beispielanlagen eine erste Orientierung für die Wertschöpfungseffekte, Klimaschutzeffekte und Beschäftigungseffekte berechnen lassen.

Zum Weiterlesen:
Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Landesplanung 2011: 9. Klimabericht, Berichtszeitraum der Bilanzen: 2008-2009, Mainz

Ökologisches Wirtschaften. Green Economy
, BMZ Informationsbroschüre 2/2011

Entwicklungsprogramm PAUL "Agrarwirtschaft, Umweltmaßnahmen, Landentwicklung"

Regionale Wertschöpfung- neue Energie für Kommunen.
In: Weitblick 2/2011, Zeitschrift für eine global gerechte und zukunftsfähige Politik

Wir sollten weniger um Prozentzahlen streiten, sondern Ziele praktisch umsetzen.
Interview mit Bertram Fleck (CDU), Landrat im rheinland-pfälzischen Rhein-Hunsrück-Kreis. In: Weitblick 2/2011, Zeitschrift für eine global gerechte und zukunftsfähige Politik

Ein Schrank aus 17 Ländern
. Sperrholz aus Kanada und Russland, Stuhlsitze aus Tschechien, Holzprodukte aus China: Längst ist auch der Holzmarkt globalisiert. Wer beliefert Deutschland?
In: Die Zeit vom 22.11.2011

Essen aus der Region.
Der Bauer Ihres Vertrauens. Der Landwirt Mathias von Mirbach bringt regionales Fleisch und Gemüse direkt zum Konsumenten. Das haben inzwischen auch die großen Lebensmittelketten entdeckt, In: Die Zeit vom 19.05.2011


Allianzen für mehr Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten. Handbuch für Unternehmen.

Webseite des nova-Instituts für Ökologie und Innovation GmbH richtet sich an regionale Akteure, die  den Aufbau regionalen Wertschöpfungspartnerschaften fördern wollen. 
http://www.regionale-wertschoepfung.info

Europäischer Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
www.eler-paul.rlp.de



 

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