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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Nachhaltiger Güterverkehr

Güter haben heutzutage im Durchschnitt viele Kilometer hinter sich, bevor sie beim Kunden oder bei der Kundin ankommen. Die zunehmende Arbeitsteilung und Spezialisierung infolge der (wirtschaftlichen) Globalisierung führt dazu, dass die Wirtschaft in Deutschland immer stärker auf importierte Vorerzeugnisse angewiesen ist. Auch der Internethandel nimmt ständig zu. Das sind nur zwei Gründe, warum der Güterverkehr in den letzten Jahren stärker als das Bruttoinlandsprodukt wuchs. Im Jahr 2016 wurden so viele Güter in Deutschland transportiert wie noch nie zuvor und auch weiterhin ist eine drastische Zunahme zu erwarten.

Schlüsselposition für die Verkehrspolitik
Der Erfolg der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wird unter anderem am Anteil der Schiene am deutschen Güterverkehr gemessen. Ihm wird von der Bundesregierung eine Schlüsselposition, eine Weichenstellung für die Verkehrspolitik insgesamt eingeräumt, einerseits weil der Güterverkehr in den nächsten Jahren weitaus stärker wachsen wird als der Personenverkehr, andererseits auch weil Personen- und Güterverkehr eng miteinander verknüpft sind, indem sie auf der Schiene und der Straße häufig die gleichen Wege nutzen. So betreffen Engpässe im Güter- und Personenverkehr auf der Schiene überwiegend von beiden gemischt genutzte Strecken.

Masterplan „Güterverkehr und Logistik“
Mit dem Masterplan „Güterverkehr und Logistik“ von 2008  reagierte die Bundesregierung auf die massive Zunahme des Güterverkehrs durch die allgemeine Globalisierung und durch die EU-Osterweiterung. „Wenn nicht reagiert wird, muss in Deutschland mit einer Zunahme der Güterverkehrsleistung zwischen 2004 bis 2025 um 71 % gerechnet werden, im Straßengüterverkehr fällt dieser Anstieg mit 79 % und im Straßengüterfernverkehr mit 84 % noch deutlicher aus“ (Masterplan). Um dem wachsenden Verkehrsaufkommen entsprechen zu können, sollen - laut Masterplan - einerseits diverse Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ergriffen werden, andererseits eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene erreicht werden und die Netze ausgebaut werden.

Effektive Nutzung und Ausbau der Straßennetze 
Zur Effizienzsteigerung und effektiven Nutzung der bestehenden Netze sind u.a. folgende Punkte vorgesehen:

1.     Ein LKW-Maut-Tarifmodell, das auch Strecken und Zeiten berücksichtigt
2.     Anschaffung emissionsarmer und lärmarmer LKW, abgasarme Motoren & Partikelfilter für die Binnenschifffahrt
3.     Ausbau der Verkehrsmanagementsysteme auf hoch belasteten Straßen (dynamische Geschwindigkeitsanzeigen, Anzeigen zur Spurbenutzung..)
4.     optimiertes Baustellenmanagement zur Vermeidung von Staus durch Bauarbeiten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten. Denn: Baustellen sind für mehr als ein Drittel aller Staus verantwortlich

Der Masterplan sieht parallel dazu eine Ausweitung des deutschen Fernstraßennetzes - das mit 12.500 Kilometern Autobahnen und rund 45.000 Kilometern Bundesstraßen bereits das dichteste in Europa ist - vor, vor allem durch die Erweiterung vieler Autobahnen auf sechs bzw. acht Spuren..

Verlagerung auf Schiene und Wasser
Eine zentrale Säule des Masterplans ist die zunehmende Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und das Wasser. Die Allianz-pro-Schiene hält einen Marktanteil von mindestens 25% für den Schienengüterverkehr für möglich. Seit vielen Jahren aber stagniert dieser Wert bei etwa 17-18%: Vom Wirtschaftsboom und dem Höchststand des Güteraufkommens insgesamt konnte die Bahn entgegen der Ziele nicht profitieren.

Die Gründe für diese Stagnation sind vielfältig: ein tiefgreifender Strukturwandel seit den 1960er Jahren (Verlust der Montanindustrie), veraltete Weichen- und Signaltechnik, ungleiche Wettbewerbsbedingungen bzw. politische Benachteiligungen.

Die eigenen Ziele konterkariert
Der Plan, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, klingt zunächst zukunftsweisend, und es gibt auch „Lichtblicke“ bei der Umsetzung wie die Einführung der LKW-Maut auf Autobahnen 2005, deren Erweiterung auf einen Teil der  Bundesstraßen und leichtere LKWs und die geplante Gültigkeit für alle Bundesstraßen ab Mitte 2018.  Allerdings fließen die Einnahmen der LKW-Maut seit 2010 vollständig in den Bau und Unterhalt von Autobahnen und Bundesstraßen, anstatt anteilig auch in Schiene (30 Prozent) und Wasserstraßen (12 Prozent)

Zulassung Lang-LKWs auf deutschen Straßen
Nach einer fünfjährigen Testphase sind seit Januar 2017 Lang-LKWs auf deutschen Straßen zugelassen. Auch normale Sattelzüge dürfen jetzt 1,5m länger sein als zuvor. Die Testphase habe laut BMVI gezeigt, dass von drei Fuhren eine entbehrlich wird und dadurch etwa 15%  bis 25% Sprit gespart werden können. Auch werde die Infrastruktur nicht belastet und finde keine Verlagerung von der Schiene auf die Straße statt.

Umweltschützer und Bahnverbände sehen die Verlagerungspläne dadurch konterkariert: Durch die Zulassung werden neue Infrastruktur wie Raststätten, neue Notspuren usw. benötigt, deren Vorhandensein dann die Attraktivität der Gigaliner weiter steigere.  Durch die längeren Sattelzüge werde außerdem „selbst der Versuch, Lastzüge vermehrt auf die Schiene zu bringen, künftig vereitelt“, weil die neuen LKW-Auflieger zu lang für die auf die europäische Norm geeichten Güterwaggons sind.

Zum Weiterlesen:

Der Lang-LKW ist ein Geschenk für die Autoindustrie, Januar 2017, Kommentar von Michael Bauchmüller

Lang-LKW fahren dauerhaft auf geeigneten Strecken. Überführung des Feldversuchs in den streckenbezogenen Regelbetrieb

Das Verkehrsministerium bremst die 740-Meter-Güterzüge
, 11. November 2016

Güterverkehr weiter auf Abstellgleis.
Seit mindestens 50 Jahren versprechen Bahnchefs und Verkehrsminister vollmundig eine attraktivere Bahn. Doch die Bilanz ist ernüchternd.
Do, 20.10.2016 |

Ratloser Ramsauer
. Ein bisschen Straße, ein bisschen Schiene, ein bisschen Landebahn: Dem Bundesverkehrsminister fehlt ein Konzept. In: Die ZEIT, Nr. 23/2011

Lkw-Maut fließt nur noch in den Straßenbau – Bundesmittel für die Schiene, Webseite des Rates für nachhaltige Entwicklung, 2011

Schienennetz 2025/2030. Ausbaukonzeption für einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr in Deutschland, Umweltbundesamt 2010, [PDF, 4,6 MB]

Website des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen.

Verkehr und Umwelt
, Webseite des Bundesministeriums für Umwelt.

Masterplan Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung.
September 2008. [PDF, 3 MB]


Rat für nachhaltige Entwicklung: Schienennetzüberlastung verhindert nachhaltigen Güterverkehr.
News Nachhaltigkeit, 23.08.2010.

Kampagnenseite „No Mega Trucks“, von der Allianz pro Schiene und anderen europäischen Umweltverbänden ins Leben gerufen zur deutschen Postion: Bundesregierung will Gigaliner testen – Mehrheit der Bundesländer dagegen.

Ein Überblick der kritischen Straßenbauprojekte, aus BUND-Sicht, www.bund.de

Leitfaden zur "Berechnung von Treibhausgasemissionen in Spedition und Logistik" , Stand März 2013, Deutscher Speditions- und Logistikerverband e.V.

Letzte Änderung: 01.06.2017

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