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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Energiewende in Deutschland

Seit der Atomkatastrophe von Japan in Fukushima im März 2011 gab es rasante Änderungen in der Deutschen Energiepolitik. Die sogenannte "Energiewende" zu einer sauberen und sicheren Energiegewinnung bis zum Jahr 2050 wurde zum Ziel der Bundesregierung. Das bedeutet einerseits den schrittweisen Umstieg auf Erneuerbare Energien, andererseits eine Steigerung der Energieeffizienz.  

Ausbau Erneuerbare Energien
Ein Hauptziel der deutschen Energiepolitik ist den Anteil der Erneuerbaren Energieträger, insbesondere der Windenergie, zu steigern und gleichzeitig den Anteil konventioneller Energieträger, vor allem der Kernenergie, zu senken. Im Hinblick auf die Atomenergie kehrte die Bundesregierung damit im Kern zum rot-grünen Ausstiegskonzept  zurück: statt der noch im Herbst 2010 beschlossenen Laufzeitverlängerung Deutscher AtommeilerZwischen 2015 bis 2022 sollen verbleibende AKWs schrittweise abgeschaltet werden. 

Bisher wurden die Zwischenziele erreicht. Während Atomstrom im Jahr 2000 etwa 30 % des  bundesdeutschen Strombedarfs deckte, waren es im Jahr 2016 noch 13,1%  Gleichzeitig ist der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch von etwa sechs Prozent auf etwa 31 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil weiter auf 40 bis 45 Prozent und bis 2050 auf 100% gesteigert werden.

Das Energie-Einspeisegesetz (EEG)
Das Gesetz für Erneuerbare Energien (EEG), auch Einspeisegesetz genannt, trat 2000 in Kraft und gilt als wichtigste Klimaschutzmaßnahme Deutschlands.  Das Prinzip in den ersten Ausbauphasen basierte darauf,  die Abnahme der Erneuerbaren Energien durch garantierten Netzzugang und gleichzeitig einen langfristigen Mindestpreis für Energie aus erneuerbaren Quellen zu sichern. Damit machte es die erneuerbaren Energien rentabel und konnte das Investitionsrisiko minimieren.  Mit der jüngsten Novelle 2017 gibt es keine staatlich festgelegte Vergütung des Stromes mehr. Erneuerbare Energien müssen sich jetzt wie andere Energiequellen dem Wettbewerb stellen. Das neue Prinzip: „Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb einer neuen Erneuerbare-Energien-Anlage fordert, wird gefördert.“ (BMWI 2017).

Bürger vertrauen Erneuerbarer Energien

Der Atomausstieg und auch der Ausbau Erneuerbare Energien ist richtig und wichtig, darin ist sich die deutsche Bevölkerung einig: 93 Prozent der Befragten hielten laut der jüngsten Studie der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) von 2016 den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien für wichtig bis außerordentlich wichtig. Dementsprechend ist die Zustimmung zu den verschiedenen Formen der alternativen Energieerzeugung besonders hoch, die Zustimmung zu Öl, Kohle und Kernkraft eher gering.

Energieträger

Zustimmung in %

Biomasse  
Solarenergie

87%

Off-Shore Windkraft

80 %

On-Shore-Windkraft

74 %

Gas

50 %

Öl

28 %

Kohle

22 %

Atomkraft

14 %


Quelle: Akzeptanz-Umfrage 2016 (TNS Emnid im Auftrag der AEE)


Akzeptanz des Ausbaus, Proteste gegen neue Leitungen?
Der Ausbau Erneuerbarer Energien erfordert den Bau zahlloser neuer Windräder, Biogas- und Solaranlagen sowie Systeme zur Energiespeicherung. Auch werden mehrere tausend Kilometer neue Stromautobahnen notwendig, damit der Strom an deutsche Haushalte geliefert werden kann. Niemand will ein Atommüllendlager vor der eigenen Tür, aber wie reagieren die Menschen auf die vielen neuen Windräder und Leitungen?

Laut der Studie von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) von 2016 ist für 68 Prozent der Bevölkerung der Bau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen am eigenen Wohnort „eine gute Sache“. Haben die Menschen bereits eine Anlage in ihrer Nachbarschaft, so ist die Zustimmung noch deutlicher. „So erklären 59 Prozent der Umfrageteilnehmer, ein Windrad in der Nachbarschaft fänden sie gut oder sehr gut. Haben die Befragten jedoch bereits Windenergieanlagen in ihrem Wohnumfeld, so klettert die Zustimmung auf 72 Prozent.“ (AEE 2016, S. 2). Das „NOT IN MY BACK YARD“ –Phänomen trifft also – laut der Studie – auf die Mehrheit der Deutschen nicht zu.

Trotz dieser generellen Akzeptanz gibt es regelmäßig Proteste von Bürgerinnen und Bürgern, in deren Nachbarschaft Anlagen, v.a. Windkraftanlagen geplant werden. „Etwa 630 Bürgerinitiativen kämpfen nach Angaben aus ihren Reihen bundesweit gegen die Windmasten“ (Grefe 2017, In: Die Zeit). „Belästigung durch Lärm, Schall oder Schlagschatten“, Wertverlust von Wohnhäusern oder Ferienwohnungen und gesundheitliche Bedenken – das sind die Argumente der Gegner.  Mit zunehmender Höhe der Windräder kommt immer stärker auch der Naturschutz hinzu, weil die Schönheit der Küsten und Zugvögel bedroht werden oder weil Rodungen in großem Umfang notwendig sind. 

Letzte Änderung: 17.06.2017

Zum Weiterlesen:
European Perceptions of Climate Chance (EPCC)
, März 2017
Ländervergleichende Studie der Universität Cardiff (Großbritannien), dem Institut ZIRIUS (Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung) der Universität Stuttgart, dem Institut Symlog (Frankreich) und der Universität Bergen (Norwegen)

Effiziente und gerechte Allokation der Produktion erneuerbarer Energien auf nationaler Ebene, Studie der TU Berlin von 2015

Informationsportal Erneuerbarer Energien
www.erneuerbare-energien.de

Die nächste Phase der Energiewende: Das EEG 2017, Themenseite des BMWI
www.bmwi.de

Energiewende „Das bringt den Kohleausstieg auf leisen Pfoten“. In: Die FaZ, 06.01.2017 (Quelle: ala./dpa) 

Der Strom in Deutschland kommt immer häufiger aus erneuerbaren Energieträgern und immer weniger aus Kohle. Fachleute in Berlin haben dafür im vergangenen Jahr vor allem einen Grund gefunden, www.faz.net, 06.01.2017

Umweltbewusstsein in Deutschland 2016. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrag

Agentur für erneuerbare Energien (AEE) 2015: Akzeptanz für Erneuerbare weiterhin hoch. In: Renews Kompakt, Ausgabe 26, 10.12.2015

Wie die Bürgerinnen und Bürger ihre Rolle bei der Energiewende sehen. Von Michael Ruddat und Marco Sonnberger, In: ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE TAGESFRAGEN 65. Jg. (2015) Heft 1/

Windkraft: Der Kampf um die Windmühle. Deutschlandweit protestieren Bürger gegen Windkraft. Das Umweltministerium will vermitteln. Von Christiane Grefe.In: Die Zeit vom 02.03.2017

Energiewende. Die Themenseite des Internetauftritts der Bundesregierung mit einem Überblick zu den Maßnahmen des Energiekonzeptes.

Akzeptanz-Umfrage 2016, von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)

Insel Pellworm realisiert Energiewende, Videobeitrag auf youtube, ausgestrahlt im heute-journal

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