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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Klima und Energie

Der Energiebedarf in Europa steigt ständig – gleichzeitig sinkt zum Beispiel die innereuropäische Gasproduktion und die Kohlevorräte sind bereits nahezu erschöpft. Das stellt die Frage der Energieversorgung in Europa vor neue Herausforderungen, weil die Importabhängigkeit bei den fossilen Brennstoffen steigt (Öl über 90%, Gas etwa 66% und 42 % bei Kohle in 2014, Quelle: Centrum für europäische Energiepolitik 2014), die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe in Sichtweite (Kohle, Öl, Gas) rückt und aus Klimaschutzgründen der Energiemix in Europa neu diskutiert werden muss. Mit dem Kyoto-Protokoll hat sich die EU zu einer Reduzierung des CO²-Ausstoßes verpflichtet und die Ziele mit der Energiestrategie 2020 noch einmal verschärft. Wie sieht die EU-Klimapolitik konkret aus und deutet diese auf eine wirkliche Energiewende hin?

Die Kyoto-Verpflichtungen
Mit dem auf der Weltkonferenz 1992 in Rio beschlossenen Kyoto-Protokoll verpflichtete sich die Europäische Union dazu, bis 2012 ihre Treibhausgase um acht Prozent bezogen auf das Jahr 1990 zu reduzieren. Damit soll ein Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 Prozent gegenüber vorindustriellem Niveau geleistet und damit der Klimawandel vermindert werden. Die EU 15-Länder müssen ihre Emissionen durchschnittlich um 8 % unterschreiten. Je nach den bisherigen Emissionen und dem Entwicklungsstand der Länder, wurden von der EU-Umweltministerium unterschiedliche Ziele für die einzelnen EU-Länder festgelegt: Für Luxemburg (-28%), Deutschland und Dänemark (jeweils 21%) sowie Österreich (-13 %) und Großbritannien (-12,5 %) gelten die ehrgeizigsten Ziele. Anderen Ländern wie Portugal (+27%) Griechenland (+25%) oder Spanien (+15%) wurde eine Ausweitung der Emissionen erlaubt.

EU-15 verfehlt die Kyoto-Ziele
Diese Verpflichtungen wird die EU nur durch den statistisch günstigen Effekt der Osterweiterung erreichen können. Die osteuropäischen Ländern werden die angestrebten Emissionsraten massiv unterschreiten, also weniger Treibhausgase ausstoßen als vorgesehen, weil in den 90er Jahren die wirtschaftliche Leistung infolge des Zusammenbruch des Ostblocks massiv zurückgegangen war. Die alte EU der 15 Mitgliedsstaaten wird ihre Ziele dagegen deutlich verfehlen. Bis Ende 2005 unterschritten die Emissionen der EU-15 das Niveau von 1990 nur um 1,5 %, während die Gesamtemissionen aller heutigen 27 Mitgliedstaaten 7,9 % niedriger lagen. (Details unter http://www.energy.eu/#CO2)

Europas Energiestrategie 2020
Weil die Kyoto-Ziele nicht ausreichen, um den Temperaturanstieg auf 2 ° zu begrenzen und somit nur ein erstes Zwischenziel darstellen, strebt die EU mit der Energiestrategie 2020 eine gemeinsame Energie- und Klimapolitik mit deutlich ehrgeizigeren Zielen an. Mit den sogenannten 20-20-20-Zielen hat die EU die energiepolitische Prioritäten für das Jahrzehnt 2010 bis 2020 gesetzt: Eine weitere Senkung der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent, eine Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent und eine Verbesserung der Energieeffizienz um 20 Prozent. Ein europäisches Gesamtkonzept soll mit der Strategie gegenüber nationalen Einzelkonzepten in den Vordergrund gestellt werden.

Senkung der Treibhausgasemissionen
Um die Erfüllung des Zieles - 20% weniger Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 - zu erfüllen, wurde festgelegt, welchen Beitrag die einzelnen Mitgliedstaaten hinsichtlich der Treibhausgasemissionen mindestens leisten müssen. Die Verbesserung der Energieeffizienz und die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien sind die wichtigsten Maßnahmen auf dem Weg zu weniger Treibhausgasemissionen.

Energieeffizienz steigern
Der Energieumwandlungssektor verbraucht momentan rund ein Drittel der Primärenergie. Bei der Stromerzeugung beträgt der durchschnittliche Energiewirkungsgrad nur ca. 40 %. Das bedeutet, dass ein Großteil der Energie bei deren Erzeugung selbst verbraucht wird.

Um die angestrebte Verbesserung der Effizienz um 20% zu erreichen, hat sie im Rahmen der 20-20-20-Strategie einen Aktionsplan 2007 bis 2012 vorgelegt. Die größten Möglichkeiten zur Verbrauchssenkung liegen dem Aktionsplan zufolge in den folgenden Bereichen:

- Wohngebäude und gewerblich genutzte Gebäude (Tertiärsektor): 27 % bzw. 30 %
- in der verarbeitenden Industrie: 25 %
- im Verkehrssektor: ca. 26 %

Die Kommission arbeitet derzeit an der Revision des geltenden Energieeffizienzaktionsplans 2007-2012, weil die Verfehlung der Zielsetzungen bis 2020 nach derzeitigen Berechnungen nur um 8-10 % gesteigert werden können. Das Europäische Parlament setzt sich deshalb für die Verbindlichkeit der Zielsetzung aus, die Energieeffizienz in der EU bis 2020 um 20% zu steigern. Bis Juni 2011 muss jedes Mitgliedsland seinen 2. Nationalen Energieeffizienz-Aktionsplan vorlegen.

Förderung erneuerbarer Energien
Die EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien hat das Ziel, den Primärenergieendverbrauch auf 20% im Jahr 2020 zu erhöhen, von etwa 8,5% in 2005. Außerdem müssen die Mitgliedsstaaten den Anteil erneuerbarer Energie im Transportsektor auf 10 Prozent steigern. Mit dem EU-Projekt „REPAP 2020“ Renewable Energy Policy Action Paving the Way towards 2020” hat die Europäische Kommission die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorgegeben. Durch die Entwicklung eines „Nationales Aktionsplan Erneuerbare Energie“ (NAPEE) bis Ende 2010 unter Nutzung eines von der EU-Kommission erarbeiteten Schemas sind die Mitgliedsstaaten zur Umsetzung verpflichtet. Auf welchen Energiemix gesetzt wird, ist also Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten. Um die Umsetzung der Richtlinie nachvollziehen zu können, hat die EU-Kommission ein Online-Portal eingerichtet – die sogenannte Transparenz-Plattform. In einem zweiten Schritt werden die 27 nationalen “Fahrpläne” zu einem Plan der europäischen Erneuerbare Energien-Industrie zusammengefasst.

Teil II: Europäische Energiewende?


Zum Weiterlesen:

Deutscher Naturrschutzring EU-Koordination 2015: Umsetzung der EU-Klima- und Energieziele für 2030, Steckbrief, Stand: 02.09.2015.

Centrum für europäische Politik 2014: EU-Mitteilung ENERGIEVERSORGUNGSSICHERHEIT, cepAnalyse Nr. 38/2014 (.pdf)

Deutscher Naturschutzring 2013:
Player und Prozesse,DNR-Themenheft II/2013, Berlin

Energieeffizienz. Eine Übersicht des EU-Rechts
zum Thema (engl.) 

Richtlinie 2009/28/EG des europäischen Parlamentes und des Rates
  vom 23. April 2009
 
Richtlinie zur Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien

EU-Richtlinie von 2009

Verkabelt Europa

Die Zeit, 13.4.2011: Das größte Hindernis für den Atomausstieg sind die fehlenden Leitungen. Ein Supernetz wäre die Lösung mit Norwegen als Batterie.

Die Luftnummer. Emissionshandel: Ein Planet wird verheizt. In Geo 12/2010, S. 128f. 

Letzte Änderung: 12.04.2016

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